Die Insektenwelt leidet, und die darauf angewiesenen Lebewesen ebenso

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Frage:“Wann hast Du zuletzt einen Schmetterling gesehen, nicht einen wie die vielen Kohlweißlinge oder Zackenfalter, wie Kleiner Fuchs oder Tagpfauenauge?

Es gäbe so viele verschiedene Tag- und Nachtfalter, die man heute gar nicht mehr sehen kann, z. B. den Heufalter, die Gamma-Eule, das Schachbrett, das Landkärtchen oder neben vielen anderen die Schwärmer: Liguster-, Linden-, Pappel-, Wein-, und Hummelschwärmer, geschweige denn vom Taubenschwänzchen.

Doch das ist schon lange her, dass die Raupen (die Larven) oder die Puppen solcher Schmetterlinge alltäglich und überall, sogar in den Städten zu finden waren. Vor noch gut 50 Jahren konnte man den Kindern noch den Auftrag geben, morgens in der Kühle die kleinen Obstbäume zu schütteln, damit die Maikäfer abfielen und ggf. an die Hühner verfüttert werden konnten, denn die Maikäfer waren eine alle drei bis vier Jahre auftretende Massenerscheinung, die große Schäden anrichten konnte. Welches Kind und welcher Erwachsene hat in letzter Zeit je einen Maikäfer gesehen?

Oder der Ligusterschwärmer: Seine Raupen, fingerdick, saßen in den Ligusterhecken und wurden wegen ihrer großen Zahl sogar von den Kindern gesucht (Anzeichen: große „Kötel“ unter der Heckenkante), wurden dann auch vielleicht an die Hühner verfüttert! Wir Kinder zogen so manche Raupe auf, mit täglichem frischem Futtergeben, um zu beobachten, wie sich danach im nächsten Frühjahr ein Schwärmer aus der in der Erde verborgenen Puppe entwickelte, mit dem Schlüpfen, Flügel-Aufpumpen, Pumpflüssigkeit ablassen, mit Brummen die Flugfähigkeit prüfen und dann losfliegen!! Was für ein Erlebnis! Kann das heute noch ein Kind nachempfinden?

Vom Schwalbenschwanz, dem so schönen Ritterfalter, ist bekannt, dass sich seine Raupen vom Dill, Möhren, Petersilie oder auch Erzengelwurz ernährten und deshalb vielfach aus Unkenntnis getötet wurden. Doch das waren separate, wenige Eingriffe mit der Reduzierung weniger Individuen im Vergleich mit den flächendeckenden massiven Eingriffen mit den heutigen Pestiziden, die gegen jegliche Insekten gerichtet sind.

Wenn es nur allein die Pestizide wären, die den Insekten das Überleben unmöglich machen, gäbe es doch noch Rückzugsgebiete wie z. B. an Weg- und Straßenrändern, an den Landstraßen entlang, in Gebüschen, Knicks und Brachflächen und Feldrandstreifen.

Aber er „guten Ordnung wegen“ wird auch dort gemäht, geschnitten und geschreddert.

So mancher Appell an die Straßenverwaltungen, doch nicht so tief und so weit wie es geht die Straßenseiten bis durch die Gräben und bis zu den Knicks zu mähen (zu schreddern), ging ohne Erfolg aus.

Da wuchs z. B. der feuchteliebende Weiderich, der dem Weinschwärmer als Futter für seine Raupen diente: Alles weg damit! Kein Schwärmer mehr, und auch so manche andere Insekten mit ihm.

Früher konnte man klagen über von Insekten verschmutzte Windschutzscheiben am Auto, heutzutage ist das nicht mehr nötig, denn die Kleininsekten wie Mücken, Käfer oder Wildbienen sind so selten geworden, dass sie kaum noch auffallen.

Aber das hat Konsequenzen: Die Nahrungspyramide ganz unten beginnt zusammen-zubrechen, und dann mit ihr alle weiteren Stufen darüber. Weder die zu schützenden Fledermäuse finden noch genug Insekten-Nahrung noch die vielen Singvögel, die ihre Brut aufziehen müssen. Und wenn es dann an solchen Insekten mangelt, die die Blüten für unsere Obstbäume bestäuben sollen, wird es zukünftig weniger Obst für uns Menschen geben.

Müssen wir eines Tages denn auch wie in China mit Pinseln selbst die Obstblüten bestäuben??

Dieses Szenario muss sich jeder klar machen, wenn er verhindern will, dass weiter so wie in der Vergangenheit mit Pestiziden, Herbiziden und Niedermachen mit Wildpflanzen in der Natur umgegangen wird.

Ein jeder Gartenbesitzer kann gegensteuern, indem er etwas übrig lässt, wo sich die Natur regenerieren kann. z. B. Mit Brennesseln, die viele gute Seiten haben (s. Separaten Beitrag),

oder auch mit Laub- und Reisighaufen, Kompost oder Steinhaufen für Kleintiere. Es wäre einfach schön, der Natur so zu helfen.

Uwe Bohm